ENI Nr. 06003252 - MMSI Nr. 205355890 30. Sep. 2020

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MS Siguenza

Bild: Die unter belgischer Flagge fahrende MS Siguenza auf dem Neckar.
Die unter belgischer Flagge fahrende MS Siguenza auf dem Neckar.
Auch der Frachter MS Siguenza aus Belgien befährt gelegentlich den Neckar.

Ich hatte das Schiff heute zum zweiten Mal gesehen. Leider habe ich mit der Siguenza immer Pech. Als ich sie im April zum ersten Mal sah, hatte sie mich an solch einer ungünstigen Stelle erwischt, daß ich wegen all dem Gebüsch kein Foto vom „ganzen“ Schiff machen konnte.

Bild: MS Siguenza mit aufgestellter blauer Tafel, gleich kommt Gegenverkehr.
MS Siguenza mit aufgestellter blauer Tafel, gleich kommt Gegenverkehr.
Heute kam die MS Siguenza wieder, am frühen Abend, wo zwar mein Platz besser war, leider aber das Licht wegen der Tiefstehenden Sonne sehr ungünstig zum fotografieren war. Immerhin ist mir heute wenigstens ein Foto vom „ganzen“ Schiff gelungen, also fing ich an zu recherchieren, was denn so alles über die MS Siguenza zu erfahren ist.
Zugegeben fand ich das Schiff zunächst nicht sonderlich spektakulär. Bald schon ärgerte ich mich daß ich nicht noch die 2 km bis zur Schleuse mitgeradelt bin, um dort ein paar „Closeups“ zu machen. Die Siguenza ist nämlich durchaus ein besonderes Schiff.

Geschichtlicher Hintergrund der MS Siguenza

Bild: MS Siguenza stammt ursprünglich aus den USA.
MS Siguenza stammt ursprünglich aus den USA.
Die MS Siguenza wurde vor 72 Jahren in den USA gebaut. Genauer gesagt 1948 in Alabama bei der Ingalls Shipbuilding Company.
Doch die Siguenza ist keineswegs ein amerikanischer Binnenfrachter der dort die Flüsse befuhr und dann irgendwie seinen Weg über den Atlantik gefunden hat. Die Siguenza hieß anfangs JURANCON und wurde im Rahmen des Marshallplans eigens für Europa gebaut. Man hat die JURANCON in Sektionen auf Pontons geladen und nach Dordrecht geschleppt, wo sie letztendlich bei De Biesbosch fertiggestellt wurde.

Binnenschiffe und der Marshallplan

Nach dem zweiten Weltkrieg lag Europa in Trümmern. Auch die Rheinschifffahrt lag weitestgehend brach, da auch ein Großteil der Binnenschiffe und Kähne zerstört waren.
Die USA beschlossen den sogenannten Marshallplan/ ERP (offiziell European Recovery Program) um Westeuropa beim Wiederaufbau zu unterstützen (1948-1952). Unter Anderem wurden im Rahmen des Aufbauprogramms auch Binnenschiffe in den USA gefertigt und nach Europa verbracht.
Die JURANCON, also die heutige MS Siguenza war eines dieser Schiffe.

Kanadier und kleine Franzosen

Bild: Ursprünglich hatten die kanadier ein spitz zulaufendes Heck. Bei der Siguenza wurde es abgeschnitten.
Ursprünglich hatten die kanadier ein spitz zulaufendes Heck. Bei der Siguenza wurde es abgeschnitten.
Die Schiffe aus dieser Zeit nennt man heute liebevoll kleine Franzosen oder Kanadier. Sie wurden alle nach den selben Plänen erbaut und gelten als besonders formschön und elegant.
Kleine Franzosen deshalb, weil die Schiffe im Original mit 63 Meter Länge und 7 Meter Breite aus heutiger Sicht nicht sonderlich groß waren. Ein solches Schiff konnte rund 700 Tonnen tragen. Die meisten dieser Schiffe wurden nach Frankreich geliefert.
Kanadier werden die Schiffe genannt, weil viele auch in Quebec/ Kanada gebaut wurden.

Ehemalige Namen und Umbau der MS Siguenza

In ihren 72 Jahren hatte die MS Siguenza natürlich unterschiedliche Eigner und damit fast zwangsläufig auch schon mehrere Namen:
  • 1948 - 1969 MS Jurancon
  • 1969 - 2004 MS Insula
  • seit 2004 MS Siguenza
Das Schiff war sehr lange „der kleine Franzose“ mit 63 Metern Länge, doch mit dem Eignerwechsel 2004 und der Umbenennung in Siguenza erfolgte auch ein massiver Umbau.
Bild: Das Vorschiff der MS Siguenza gehörte einst der MS Daya.
Das Vorschiff der MS Siguenza gehörte einst der MS Daya.
Das Schiff erhielt ein neues Vorschiff sowie ein neues Mittelschiff. Vom einstigen „kleinen Franzosen“ ist also nur das Hinterschiff übrig geblieben, welches selbst aber auch sehr stark umgebaut wurde. Die kleinen Franzosen sind bekannt für elegant spitz zulaufendes Heck, bei der Siguenza hat man dieses leider abgeschnitten, vermutlich um nach dem Umbau unter der magischen Länge von 86 Metern zu bleiben.
Doch nochmals zurück zum neuen Vor- und Mittelschiff: So neu war das garnicht als es an die Siguenza gebaut wurde. Es hatte bereits 34 Jahre auf dem Buckel, denn es handelte sich um das alte Vor- und Mittelschiff der 1970 gebauten MS Daya. Sie hatte 2004 tatsächlich Vor- und Mittelschiff neu bekommen. Die Siguenza trägt sozusagen nur die alten Klamotten auf.

Technische Daten

Zuletzt wurde die MS Siguenza hier gesehen.
Die frühere MS Jurancon war mit einem DMG 36 Motor von Enterprise ausgerüstet. Dieser leistete 480 PS. Heute wird die MS Siguenza von einer Deutz Maschine mit 680 PS angetrieben (Typ SBF 16 M 716).
Länge:84,4 Meter
Breite:9,33 Meter
Tiefgang:2,73 Meter
Tonnage:1304 Tonnen
Maschinenleistung:680 PS
Baujahr:1948
Bauwerft:Ingalls Shipbuilding Co. (USA)
Schiffstyp:STR 563 Straßburg
Alter:72 Jahre
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